Folge 20: Gumprecht – Der Anfang vom Ende

Gumprecht – Der Anfang vom Ende

Hallo meine Lieben,

vielen lieben Dank für die vielen herzlichen Glückwünsche und euren Besuch bei uns im Laden, es war eine super Feier, die viel zu schnell vorbei war, unser 15-jähriges Jubiläum! Aber eines kann ich schon versprechen, es wird nicht die letzte gewesen sein.

Zurück zur Geschichte, wir sind im Jahr 2014 und für alle, die hier im Newsletter neu dabei sind, ich werde dieses Jahr noch einen Blog aufsetzen, in dem man alle verpassten Newsletter nachlesen kann.

Ich habe es letztens schon vorweggenommen, „die nächste Ladeneröffnung steht an und diese wird der Anfang vom Ende.“

Was soll ich sagen, so war es dann auch ….

Aber der Reihe nach, Rebekka und ich sind gerne gemeinsam auf Messen gegangen und haben immer wieder viele schöne Sachen gefunden, die wir aber nicht kaufen konnten, weil kein Platz war oder weil es ins bestehende Konzept nicht passte.

So sprachen wir immer wieder von einem zweiten Laden, das wäre doch die Idee, wir wissen doch, wie der Hase läuft, was soll da schiefgehen.

Wie es der Zufall wollte, hat unser direkter Nachbar aufgegeben, Trachten Angermeier aus München, der Inhaber ein super Typ, wir wurden uns schnell einig über Beleuchtung etc. und ruckzuck hatten wir ein zweites Geschäft.

Nur noch schnell zur Bank und uns frisches Kapital besorgt, die Vorfreude war groß!

Und wir dachten auch groß, eine komplette Schreibgerätewand, Shop-in-Shop-Systeme von Montblanc, Graf von Faber-Castell und Lamy, wir wollten der Schreibwarenladen in Regensburg sein.

Die Firma Räder endlich vollständig zeigen und noch so vieles mehr!

Wir arbeiteten durch, wollten schnell eröffnen, machten auch wieder eine super Party, Stimmung war super! Der Laden schön, nicht perfekt, aber er hatte was.

Wir hatten uns sogar eine eigene Siebträgermaschine gegönnt, damit wir unsere Kunden, also euch, bei der Schreibprobe des neuen Füllhalters mit einem leckeren Espresso oder Cappuccino verköstigen konnten.

Nur leider kam keiner, ja richtig gelesen, es war nichts los, nichts! Also wirklich nichts, an einem Tag machte ich mal 1,50 € Bruttoumsatz, also in 9 Stunden!!!

Es war zum Verzweifeln, der eine Laden so gut, der andere direkt daneben, aber ohne Durchgang tote Hose!

Unsere Ausgaben waren enorm, die Miete war viel höher als beim ersten Laden, zusammen waren wir bei über 6.000 € monatlich, das neue Darlehen war auch viel höher und wir hatten viel mehr Personal, bei zwei Läden müssen immer mindestens drei Leute gleichzeitig arbeiten, um die Mittagspausen abzudecken, bei nur einem Laden stand oft ich alleine den ganzen Tag drin und alles war gut!

Aber wir glaubten an unser Konzept, nur leider ging uns das Geld aus, also Nachschub holen und ab zur Bank.

Und jetzt wird es spannend, unsere Bank glaubte nicht an uns, keine Bank glaubte an uns, weder in Regensburg noch bei Rebekka in Nürnberg.

Das war und ist bis jetzt meine größte Erkenntnis in meiner Selbstständigkeit, die ich auch auf div. Vorträgen und beim Mentorenprogramm der IHK Regensburg weitergebe.

Immer genügend Geld auf der Seite haben, Geld holen, wenn du keines brauchst, dann bekommst du nämlich immer was, weil deine Zahlen stimmen. Du bekommst keinen Cent, wenn dies nicht der Fall ist.

Es ist ein bisschen wie bei Monopoly, wenn du keinen extra Schein unterm Spielbrett hast, ist Game Over.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Scheißgefühl ist. Du weißt, das wird super mit dem Laden, es braucht halt einfach nur Zeit. Die hast du aber nicht, weil du kein Geld mehr hast, um deine Rechnungen und Gehälter zu bezahlen und keiner glaubt an dich.

Aber ich hatte doch noch einen Schein unterm Spielbrett 😉 Ich hatte vor meiner Selbstständigkeit eine Eigentumswohnung erworben. Diese war vermietet, aber noch nicht schuldenfrei. Sie hat sich super entwickelt, war eigentlich als Altersvorsorge gedacht.

Jetzt musste sie dran glauben, für diesen verrückten Traum der Selbstständigkeit, eines eigenen Geschäfts.

Das Ganze ging recht geräuschlos, die Wohnung ins Internet gestellt, innerhalb von 4 Wochen verkauft, unserer GbR ein Darlehen gegeben, die Restschuld der Wohnung beglichen, in den Urlaub gefahren und schon waren die Wohnung und das Geld Vergangenheit.

Der Laden lief leider immer noch schlecht, wir zweifelten an uns und an unserem Können als Einzelhändler. Aber aufgeben werden wir nicht, noch nicht …

Wir versuchten erstmal, über eBay unser Sortiment zu verkleinern. Dies gelang uns überraschend gut. Wir fanden dort auch einen Partner, der uns half. Diese Partnerschaft gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber in dieser Zeit war sie unvorstellbar wichtig für uns.

Die Siebträgermaschine wurde auch liquidiert, sowie die überdimensionale Schreibgerätewand. Montblanc blieb und ist bis heute eine unserer stärksten Marken.

Eine Händlerkollegin in Regensburg schloss ihr Geschäft. Diese hatte die legendären Freitag-Taschen aus Zürich im Sortiment und ich schlug sofort zu. So wurden wir einer der größten Freitag-Händler in Bayern.

Da passierte es auf einmal, wie aus dem Nichts. Der Laden explodierte, wir machten super Umsätze und alles löste sich auf, die Sorgen, die Selbstzweifel, einfach alles. Es machte richtig Freude!

Dies hielt aber nicht lange an. Wie das geschah und warum wir uns dann doch noch trennten, erzähle ich im nächsten Newsletter!

Vielen Dank fürs Lesen

Euer Christian


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Gumprecht – Der Anfang vom Ende

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