Folge 17: Gumprecht – Freundschaft, die bleibt

Gumprecht – Freundschaft, die bleibt

Das Warten hat ein Ende, oder doch noch nicht?

An alle, die sich schon so sehr auf die nächste Geschichte freuen (ich bekomme tatsächlich Mails und ganz liebe Worte im Laden von euch), wie es weitergeht — wir sind ja noch in 2011 — bitte ich noch um ein wenig Geduld.
Ich möchte diesmal was anderes schreiben, über Freundschaft.

Für alle, die von Anfang an dabei sind, wissen, wie wichtig für mich Menschen waren, die mir geholfen haben, meinen Traum vom eigenen Laden zu verwirklichen. Aber es gibt auch Begegnungen, die mir geholfen haben, mich kennenzulernen.
Eine davon ist Markus, einer meiner ältesten Freunde. Um genau zu sein, kennen wir uns seit 35 Jahren, seit der 6. Klasse.

Auch wenn wir in einigen Dingen doch recht unterschiedlich sind, sind wir Herzensmenschen.
Es ist eine dieser Freundschaften, wo man alles erlebt und mitgemacht hat: das erste Bier, der erste Liebeskummer und noch so viel mehr… Ich war auch der Trauzeuge bei seiner Hochzeit. Hier war er mit mir nicht ganz so zufrieden — was soll ich sagen, am Tag zuvor war in Regensburg Bürgerfest… Wobei ich am Standesamt mehr geweint habe als die beiden zusammen.

Wir haben uns nie aus den Augen verloren, auch wenn jeder von uns einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. Wir konnten auch gar nicht, weil wir immer wieder zusammengekommen sind.
Einmal waren wir zeitgleich Single, da dachten wir, eine WG zu gründen, sei eine gute Idee. Also zogen wir zusammen — eine verrückte Zeit war das.

Was uns auch schon immer verband, war das Reisen, ob als Teenager mit der DT (Yamaha) zum Chiemsee oder auch mal mit dem Auto nach Frankreich.

Markus war gerne der Reiseorganisator, der Leiter war ich 😉 Er kann das auch echt gut — außer wie wir mal nach Verdun gefahren sind und vor unserer Unterkunft standen: ein Geisterhaus zum Fürchten, im düsteren Nebel gelegen, wo klar war, wenn wir hier reingehen, kommen wir nicht mehr in einem Stück raus. Da mussten wir uns kurzfristig was anderes suchen.

Immer wenn wir unterwegs waren, ist etwas Besonderes passiert. Mir fallen gerade so viele Sachen ein, wie z. B.: Bei unserem Lufthansa-Flug nach Miami wurden wir in die Business Class upgegradet. Für uns zwei junge Burschen war das echt was Besonderes.

Aber zurück zum Thema Freundschaft. Die letzten Jahre haben wir nicht mehr so viel unternommen. Markus ist ja verheiratet und hat zwei wunderbare Kinder, ich bin seit 7 Jahren in einer festen Beziehung und mein zweiter Partner ist der Laden…
Da dachten wir, ein spontaner Urlaub wäre genau das Richtige. Reiseorganisator Markus fragte mich nur, ob ich ihm vertraue — er kümmert sich um alles. Und schon war die WhatsApp mit meinem Bild vom Reisepass unterwegs.

Zwei Tage später sagte er mir, wir machen eine Kreuzfahrt… Irgendwie hatte ich schon so eine Ahnung. Markus war hier Profi, ich absoluter Beginner.
Was soll ich sagen: Es ist etwas, was ich noch nie gemacht habe. Man hört ja die unterschiedlichsten Sachen. Aber gut, dies war ein modernes, umweltfreundlicheres Schiff — wir fuhren nämlich mit emissionsarmem Flüssigerdgas.
Bei voller Auslastung passen da auch 6.880 Passagiere drauf, eine unglaubliche Zahl, plus noch über 1.000 Personen Besatzung.
Und wenn die alle mit dem Auto über den Brenner fahren, dann weiß ich auch nicht…

Okay, ich nutze die Gelegenheit und schreibe noch kurz was zum Laden:
Ich habe unsere Beleuchtung auf LED umgestellt, beziehe Ökostrom (Achtung Insider: Ich grinse gerade bei diesen Zeilen). Unser Onlineshop liegt auf Servern, die in Deutschland ebenfalls mit Ökostrom betrieben werden usw. Auch bei Greenpeace bin ich Mitglied und das, seit ich ein geregeltes Einkommen beziehe — sprich, ich habe ja mit ca. zwölf angefangen, Zeitungen auszutragen…

Zurück zum Schiff: Was soll ich sagen, ich brauchte zwei Tage, um mich damit anzufreunden, und dann war ich begeistert.

Wirklich — es ist unglaublich, morgens früh auf den Balkon in luftiger Höhe zu gehen und zu sehen, wo man heute ist. Das Wetter war herrlich, die Stimmung super!

Markus war in seinem Element. Wir waren immer im Servicebereich von seinem Lieblingskellner. Diesen hatte er auf einer anderen Kreuzfahrt kennengelernt und mir auch schon ganz viel von ihm erzählt — ein toller Typ aus Indien stammend, unglaublich sympathisch und auch sehr aufmerksam…
Abends, wenn die Schlacht am Buffet beginnt, wird es nicht immer leicht, einen schönen Tisch zu finden, aber auf unseren Kellner war Verlass. Er hat für uns schon einen Tisch ausgesucht. Ich sagte nur: „Aber der ist doch belegt?“ (Es war keiner am Tisch, aber es war klar, hier kommt gleich jemand zurück.) Er meinte nur: „Keine Sorge, das passt gut.“
Gut?! Vertrauen ist bei Freundschaften unerlässlich. Vertrauen heißt auch, nicht zu planen, den anderen machen zu lassen und sich einzulassen.

Dann kamen zwei Mädels vom Buffet zurück — zu ihrem, jetzt unserem Tisch.
Die Stimmung war frostig, ich war der Einzige, dem ein einfaches „Hallo“ rauskam.
Die Dame neben mir begann zu husten und hörte nicht mehr auf. Insgeheim dachte ich mir: „Toll, die steckt uns jetzt noch alle an…“ Ich fragte, ob sie den Abend schon noch überlebe?
Sie schaute mich mit glasigen Augen an und sagte, dass sie seit zwei Tagen krank sei! Ich sah mich schon mit 40 Grad Fieber im Bett…

Das Eis war allerdings dadurch gebrochen, und wir hatten einen sehr schönen Ratsch. Richtig geraten: über Freundschaften und Beziehungen (sind ja irgendwie auch Freundschaften). Auch die beiden Freundinnen Carmen und Karina hatten einen guten Draht zueinander, und wir alle vier verstanden uns sehr gut.
Wir waren füreinander da, jeder von uns hatte so seine Themen — die eine mehr, der andere weniger. Wir halfen uns gegenseitig, taten uns gut! Passten aufeinander auf.

Und das ist zugleich meine Definition von Freundschaft:
Man passt auf den anderen auf, man passt auf sein Umfeld auf, man ist für den anderen da, man ist füreinander.

So, meine Lieben, das war’s mit dieser Sonderausgabe…
Vielen lieben Dank fürs Lesen.
Euer Christian


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Gumprecht – Freundschaft, die bleibt

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